Montag, 29. März 2010

Und wenn man denkt...

...schlimmer geht es nicht mehr, kommt von irgendwo die EU daher (Frei nach Volker Pispers) und zwar in Person der schwedischen EU-Kommissarin für Innenpolitik Cecilia Malmström.

Aus den heutigen Nachrichten war zu hören, dass Frau Malmström vorschlug, eine EU weite Sperr-Infrastruktur für das Internet aufzubauen, um Kinderpornographie zu bekämpfen. Sie möchte damit Webseiten sperren, die den Missbrauch von Kindern darstellen.

Oh nein, nicht schon wieder und täglich grüßt das Murmeltier, das hatten wir doch schon einmal in Deutschland. Wir erinnern uns, Frau von der Leyen hat das genau das Thema vor der Bundestagswahl, zum Wahlkampfthema gemacht. Es gab riesen Proteste, Demonstrationen und eine Petition mit über 134.000 Unterzeichnern gegen das Zugangserschwernisgesetz.

Mittlerweile sind ja alle großen Parteien in Deutschland davon überzeugt, dass der eingeschlagene Weg, der falsche ist und nun kommt der Mist aus Schweden, nur dass es diesmal die ganze EU betreffen soll.

Liebe EU, überlegt euch gut was ihr da damit anfangt. Es hilft keinem missbrauchten Kind, Webseiten mit entsprechendem Inhalt zu sperren. Missbrauch passiert im realen Leben und ich kenne keinen der unbewusst je auf solche Seite getroffen ist. Natürlich gibt es Seiten a la Yourporn oder so, doch das ist kein pädophiles Material, höchstens geschmackloser und gestellter Müll.

Die Leute, also Pädophile, tauschen ihr Material auf einem Parkplatz an der Autobahn oder in geschlossenen IRC-Chats. Die findet man aber nicht, wenn man mit Google und Co sucht, dazu muss man schon ziemlich genau wissen, wie man danach sucht bzw. werden diese Seiten im Kreis "der Erlauchten" weitergegeben.

Diese Stoppschilder, die diese Seiten verdecken sollen, bewirken doch überhaupt nichts. Eher im Gegenteil. Betreiber solcher Seiten können so prima überprüfen, ob sie schon gesperrt sind und basteln sich eine neue Webseite oder wechseln einfach den Server und was viel schlimmer ist, das Material bleibt im Netz, denn es wird ja nicht gelöscht, sondern nur verdeckt. Vom ändern des DNS-Server, zwecks Umgehung des Ganzen, möchte ich gar nicht reden.

Und im Gegensatz zu vielen Politikern und Polizeipräsidenten, die der Meinung sind, das viele Server in Ländern stehen, die eine Verfolgung nicht möglich machen, ist das nicht wahr. Die Server stehen in den USA, Deutschland, Niederlande und andere Europäische Ländern. In all diesen Ländern steht Kinderpornographie unter Strafverfolgung und ist schlicht verboten.

Und wie Beispiele von AK Zensur und Carechild zeigen, ist eine Löschung natürlich möglich. Dazu bedarf es keiner internationalen Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden, sondern eine freundliche E-Mail an den Webhoster, das auf seinem Server böses Material liegt. Der Hoster prüft das und löscht es meistens innerhalb von 12 Stunden.

Was hier jetzt mit dem Vorschlag von Frau Malmström los geht, ist die Fortsetzung des Versuches zum Aufbau einer Internetzensur.

Weiterführende Links und Meinungen zum Thema:

Ak Zensur

Netzpolitik.org


Spiegelfechter

Scusiblog


Spreeblick

Odem.Blog ein Gastbeitrag von Lutz Donnerhacke (Mai 2009)


Mogis e.V.

1 Kommentar:

  1. Was hier jetzt mit dem Vorschlag von Frau Malmström los geht, ist die Fortsetzung des Versuches zum Aufbau einer Internetzensur.

    Stimmt!
    Es geht doch nicht wirklich um den 'Kinderschutz' - Nachtigall ick hör' Dir trapsen.

    'Irgendwie' muß es doch mal endlich gelingen, eine Legitimation für Internetzensur ganz 'demokratisch' in petto zu haben.

    Da eignet sich ein Verweis auf Kinder hervorragend.

    Wer will schon als jemand da stehen, der nicht 'Gutes' für Kinder will...

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